Lokomotiven

Dampflok

dampflok01Der zweifellose Star der Fahrzeugparade ist erwartungsgemäß die Dampflokomotivevom Typ „Riesa“.
Im Jahre 1948 bei der Lokomotivbaufirma Henschel in Kassel hergestellt, wurde sie an die Baufirma Faber & Schnepp in Gießen verkauft, wo sie als Baulok zum Einsatz kam.

Da Diesellok und LKW bereits überall die Dampflokomotive als Beförderungsmittel abgelöst hatten, währte ihre Einsatz nur wenige Jahre. Danach rostete sie auf einem Lagerplatz vor sich hin. Auf Grund dessen, dass die insgesamt drei Dampfloks der Firma Faber & Schnepp nutzlos auf dem Lagerplatz herumstanden, machte man sich Gedanken über deren weitere Verwendung. Zwei der Loks wurden in Langgöns bei Gießen von 1970 bis 1973 auf einem Spielplatz und die dritte in Großeichen als Denkmal aufgestellt.

Als Bernd Amende im Jahre 1977 auf die Denkmallok stieß, befand sie sich in einem sehr schlechten Zustand. Sie war stark verrostet und verwüstet. Trotzdem bemühte er sich um den Erhalt der Lok und konnte erreichen, dass die Maschine am 28.04.1978 gegen eine Diesellok ausgetauscht wurde. Anschließend wurde die Lok nach Mainhausen gebracht, wo die damaligen Frankfurter Schmalspurfreunde, deren Mitglied Herr Amende war, sie in einem fünfzehnständigen Ringlokschuppen unterbrachten.

Die Lok wurde, da eine betriebsfähige Aufarbeitung geplant war, in ihre Einzelteile zerlegt. Die langwierigen Arbeiten zur Wiederherrichtung der Lok wurden 1979 durch den Umzug des Vereins nach Frankfurt-Nied in ein stillgelegten Ausbesserungswerk der Deutschen Bundesbahn unterbrochen. 1980 wurden die Arbeiten vollendet und im Sommer dampfte die Lok nach über 20 Jahren zum ersten Male wieder über Schienen. Vom 6. Oktober 1980 bis Ende 1985 war die Lok im Viernheimer Schmalspurmuseum im Einsatz, da der Verein nach keine geeignete Einsatzmöglichkeit für die Lok hatte.

Als das Museum in Viernheim geschlossen wurde, kam die Maschine wieder nach Frankfurt. Das gerade im Entstehen begriffene Feldbahnmuseum nahm die betriebsfähige Lok gern als Leihgabe auf, so dass die Lok am 12. Juni 1987 bei dessen Eröffnung mit dabei war.

Im Jahre 1990 zeigten sich erneut Schäden am Kessel, wie defekte Stehbolzen, abgezehrte Nieten und angerostete Kesselbleche. Daher wurde die Lok ins RAW Görlitz gebracht, wo sie im Winterhalbjahr einer kompletten L7/K7 unterzogen wurde. Danach war die Lok nur noch ein Jahr in Frankfurt und gelangte im Anschluss zur Parkeisenbahn Gera, wo sie ein reichliches Jahr zum Einsatz kam.

Anfang 1994 wurde die Lok erneut ins RAW Görlitz gebracht, um im Rahmen einer K6 den inzwischen am Kessel entstandenen Verschleiß zu beseitigen. Außerdem wurde der Einbau einer Druckluftbremsanlage vollendet. Anfang Mai traf die Lok schließlich per Tieflader in Chemnitz ein. Probefahrten mit und ohne Wagenzug zeigten die Tauglichkeit der Lok für einen Zugdienst bei der Chemnitzer Parkeisenbahn. Ihre offizielle Jungfernfahrt absolvierte die Lok jedoch am 11. Juni 1994 während der Fahrzeugparade der Parkeisenbahn anlässlich ihres 40-jährigen Bestehens.

In den Jahren 1996/1997 wurde die Henschel-Dampflok einer weiteren Hauptuntersuchung in Malowa unterzogen. In dieser Zeit erhielt sie auch ihre weinrote Farbgebung.
Bis 2001 fuhr die Dampflok, als Dauerleihgabe, bei der Parkeisenbahn Chemnitz.
Im Jahre 2002 kaufte die Parkeisenbahn Herrn Amende die Dampflok ab und gab ihr die ursprüngliche grüne Farbgebung zurück.
In den Jahren 2009/2010 erfolgte die planmäßige Hauptuntersuchung. Die historische Dampflok wurde in alle Einzelteile zerlegt und überholt. Fahrwerk, Bremsen und Führerhaus konnten bei der Fichtelbergbahn aufgearbeitet werden. Um den Kessel haben sich die Verkehrsbetriebe Erzgebirge in Marienberg gekümmert. Schließlich mussten alle 94 Heizrohre des Kessels gewechselt, die Rauchkammer komplett erneuert und die Decke der Feuerbüchse ausgetauscht werden.

Es bleibt für alle Freunde und Besucher der Parkeisenbahn zu hoffen, das die Lok die nächsten Jahre einem breiten Publikum betriebsfähig erhalten bleibt.

Technische Daten:

 
Bauart: Baulok Typ Riesa
Hersteller: Henschel, Kassel
Fabriknummer: 28033
Baujahr: 1948
Achsfolge: Bn 2t
Kraftübertragung: Stangen
Kesseldruck: 12 bar
Leistung: 75 PS
Höchstgeschwindigkeit: 20 km/h
Länge über Puffer: 6,5 m
Achsstand: 1,40 m
Rad Ø: 0,5 m
Breite: 1,80 m
Höhe: 2,80 m
Dienstgewicht: 11,5 t